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Ernst Frick |
Lebenslauf
Lebenslauf, geschrieben von Werner Frick (Neffe) (1915-2007), der Ernst Frick seit der
eigenen Jugendzeit (u. a. durch verschiedene Ferienaufenthalte in
Ascona und in
Bosco/Gurin) sehr gut
gekannt hat und seinen Gemäldenachlass bis Ende 2005 verwaltete.
Der Nachlass befindet sich inzwischen bei Wolfgang Frick (Jg. 1955)

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Wolfgang Frick
Werner Frick, Neffe (1915-2007)
Foto vom 02.11.2002
Ernst Frick's Vater (Johann
Jakob Frick von Knonau ZH: 14.07.1851 – 08.09.1895) war als Reisender der
Maschinenfabrik Bühler in Uzwil SG unterwegs und rutschte beim Aufspringen auf einen
schon anfahrenden Zug so unglücklich aus, dass er unter die Räder geriet und,
erst 44-jährig, verblutete.
Seine Frau (Elise geb. Etzweiler: 29.03.1852 – 09.05.1905), also ein Jahr
jünger, konnte die Kinderschar (insgesamt 8 Buben und zuletzt ein Mädchen)
nicht durchbringen, sodass die jüngeren Buben von den Behörden teilweise als Verdingkinder hierhin und dorthin verteilt wurden und zumeist nur die
Volksschule besuchen konnten.
Wenn die Buben nach den vier oder fünf Schuljahren der Volksschule Glück
hatten, wurden sie, je nach Alter, nach noch ein paar Jahren Fronarbeit bei
einem Bauern, in eine Handwerkslehre gesteckt:
Ernst (das 4. Kind), der Feingliedrige (damals 14 Jahre alt), war künstlerisch
veranlagt,
musste aber Gießer werden.
Es war die Zeit des Sonderbunds, zu dem sich die konservativen katholischen
Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis
zusammenschlossen (nicht aber Innerrhoden und auch nicht die liberaleren Kantone
Aargau, Graubünden, St. Gallen, Solothurn und Tessin). Sie versuchten den 1815
unter dem Übergewicht der übrigen Kantone geschlossenen Bundesvertrag zu
stürzen, was zu kriegerischen Auseinandersetzungen und ab 1845 zum
Sonderbundskrieg führte, der dann nach den vernichtenden Schlachten von Honau LU,
Gisikon LU und Meierskappel LU zum Nachteil der Sonderbundstruppen 1847 zu Ende ging.
Diese Ereignisse führten zu einer neuen, gerechteren Bundesverfassung und 1848
zu unserer Eidgenossenschaft, wie wir sie kennen. Diese Verfassung verlor an der
Volksabstimmung vom 10. Juni 2001 endlich noch den Bistumsartikel, nachdem sie
bereits bei der Volksabstimmung vor rund 25 Jahren den Jesuitenartikel und den Klösterartikel, die ebenso eindeutig gegen eine möglich werdende
römisch-katholische Vormacht gerichtet waren, verloren hat.
Ernst Frick versuchte so schnell wie möglich von seinem ungeliebten Beruf als
Gießer wegzukommen und sich seinen Liebhabereien hinzuwenden.
Er kam nach Deutschland, wo er all das nachholen wollte, was ihm ein Anliegen
war, ganz besonders durch seine Erfahrungen nach seines Vaters frühem Tod geprägt. Er
kam in die vielfältigen Umwälzungen nach dem verlorenen Krieg (Erster
Weltkrieg, 1914–1918), fühlte sich aber von Anfang an zur Malerei hingezogen,
die er in der Kunstakademie in München erlernen konnte. In seinen Bildern
vermochte er dem damaligen Kapitalismus den Liberalismus
entgegenzustellen.
So konnte es nicht ausbleiben, dass er auch aus zwei unterschiedlichen Gründen
(Malerei und Revolution) Ascona entdeckte und dort bald mit zu den maßgeblichen
Weltverbessererkreisen gehörte, politisch folglich links stand, ohne sich aber
zu den Kommunisten zu zählen.
Damals traf sich je länger, je mehr die aufstrebende aufmüpfige Elite aus
aller Welt in diesem idyllischen Ort am Langensee (Lago Maggiore), wo sie sich nach und nach auf
der Collina, dem dann später genannten Monte Verità, dem Wahrheitsberg,
ansiedelte.
Namen wie Bakunin, Bebel, Bulganin, Frick, Friedeberg, Goesch, Gräser, Groß,
Hesse, von der Heydt, Hofmann, von Kupffer, Mühsam, Nettlau, Oedenhoven,
Stalin, Trotzky, Vester, von Werefkin u.v.a.m. schmiedeten dort ihre Pläne, wie
sie in der Welt, vorerst in Europa, die maßgeblichen kapitalistischen
Führungsschichten ablösen könnten.
Aber es war nicht nur die große Politik, die ihn gefangen nahm, sondern es
waren auch die Sprachwissenschaft, die Altertumskunde, die Vorgeschichte, die
ihn umtrieben. Er lernte Gälisch und Walisisch und versuchte, über sie zur
Ursprache vorzudringen. Sein Suchen nach den Ursprüngen ließ ihn auch eine
bisher unbekannte großräumige keltische Verteidigungsanlage entdecken. Es zog ihn hin zum einfachen, nicht in starre Formen
eingeengten Leben.
So war für ihn auch die feste Bindung von Partnern eine kapitalistische
Einrichtung. Eine Partnerschaft sollte einzig auf freiwilliger
Grundlage zustande kommen und im gegenseitigen Einverständnis wieder gelöst
werden können. Er versuchte es vorzumachen, tat sich mit der Frau eines seiner
Gesprächskollegen, dem Arzt, Psychiater, Psychoanalytiker und Anarchisten
Otto Groß
(1877–1920), zusammen:
Frieda Groß geb. Schloffer (12.05.1876
– 12.12.50) aus
Graz. Er hatte mit ihr drei Töchter:
Eva Verena Schloffer
(09.09.1910 – 05.02.2005),
Cornelia Groß (16.02.1918
– 09.09.1995) und
Ruth Elisabeth Groß
(Rufname: Bülo) Groß (11.07.1920 – 24.10.1963). Frieda Groß hatte aus ihrer Ehe mit Otto Groß noch einen Sohn:
Wolff (Wolfgang) Peter.
Ernst fing an, sich in der warmen Jahrszeit nach
Bosco/Gurin (1506 m) zu
verändern (damals gab’s noch keine Fahrstraße; Verkehrsmittel war der Esel!)
und nur den Winter über in Ascona (210 m) zu bleiben. Sie konnten sich dort in
ein Chalet einmieten, wogegen sie in Ascona in einem Künstlerhaus wohnten. Nach
Jahren trennten sie sich in gegenseitiger Achtung; Mutter und Kinder bezogen
eine eigene Wohnung. Die Verbindung zueinander war aber nicht abgerissen, und
sie besuchten sich immer wieder. Vor allem die Kinder, die ja langsam
heranwuchsen, waren oft bei ihrem Vater, als er sich nach einigen Jahren mit der Anthroposophin
Margareta
Fellerer (06.01.1885 – 02.04.1961), die auch aus Österreich (Linz) war, verband
und sie sich gemeinsam ein eigenes Haus, einen "Adlerhorst"
(Cà del Sass = Casa del Sasso),
auf halber Höhe der Collina (später Monte Verità genannt), bauen konnten.
Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, hat er Margareta am 14.10.1941 in Ascona legal geheiratet, um
ihr die Ausweisung zu ersparen - denn Österreich war mittlerweile Teil des
Deutschen Reiches geworden und hatte den Namen Ostmark erhalten.
Die Folgen der freien Partnerschaft waren für die Kinder schmerzlich: In allen
ihren Unternehmungen fehlten ihnen die standesamtlichen Frick-Papiere. Ihre
Papiere waren bloß Ersatzpapiere, die ihnen die Gemeinde Ascona
entgegenkommenderweise ausgestellt hatte.
In der Casa Anatta auf
dem
Monte Verità ist seinem Schaffen ein Raum gewidmet. Ein Besuch lohnt
sich.
letzte Aktualisierung: 20.08.2009