Ernst Frick
1881 – 1956

 

 
Lebenslauf

Lebenslauf, geschrieben von Werner Frick (Neffe) (1915-2007), der Ernst Frick seit der eigenen Jugendzeit (u. a. durch verschiedene Ferienaufenthalte in Ascona und in Bosco/Gurin) sehr gut gekannt hat und seinen Gemäldenachlass bis Ende 2005 verwaltete.
Der Nachlass befindet sich inzwischen bei Wolfgang Frick (Jg. 1955)

 
Werner Frick (Enkel) Foto vom 02.11.2002 in Ascona
© Copyright by Wolfgang Frick
Werner Frick, Neffe (1915-2007)
 Foto vom 02.11.2002

Ernst Frick's Vater (Johann Jakob Frick von Knonau ZH: 14.07.1851 – 08.09.1895) war als Reisender der Maschinenfabrik Bühler in Uzwil SG unterwegs und rutschte beim Aufspringen auf einen schon anfahrenden Zug so unglücklich aus, dass er unter die Räder geriet und, erst 44-jährig, verblutete.
Seine Frau (Elise geb. Etzweiler: 29.03.1852 – 09.05.1905), also ein Jahr jünger, konnte die Kinderschar (insgesamt 8 Buben und zuletzt ein Mädchen) nicht durchbringen, sodass die jüngeren Buben von den Behörden teilweise als Verdingkinder hierhin und dorthin verteilt wurden und zumeist nur die Volksschule besuchen konnten.
Wenn die Buben nach den vier oder fünf Schuljahren der Volksschule Glück hatten, wurden sie, je nach Alter, nach noch ein paar Jahren Fronarbeit bei einem Bauern, in eine Handwerkslehre gesteckt:
 
Ernst (das 4. Kind), der Feingliedrige (damals 14 Jahre alt), war künstlerisch veranlagt, musste aber Gießer werden.
 
Es war die Zeit des Sonderbunds, zu dem sich die konservativen katholischen Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis zusammenschlossen (nicht aber Innerrhoden und auch nicht die liberaleren Kantone Aargau, Graubünden, St. Gallen, Solothurn und Tessin). Sie versuchten den 1815 unter dem Übergewicht der übrigen Kantone geschlossenen Bundesvertrag zu stürzen, was zu kriegerischen Auseinandersetzungen und ab 1845 zum Sonderbundskrieg führte, der dann nach den vernichtenden Schlachten von Honau LU, Gisikon LU und Meierskappel LU zum Nachteil der Sonderbundstruppen 1847 zu Ende ging. Diese Ereignisse führten zu einer neuen, gerechteren Bundesverfassung und 1848 zu unserer Eidgenossenschaft, wie wir sie kennen. Diese Verfassung verlor an der Volksabstimmung vom 10. Juni 2001 endlich noch den Bistumsartikel, nachdem sie bereits bei der Volksabstimmung vor rund 25 Jahren den Jesuitenartikel und den Klösterartikel, die ebenso eindeutig gegen eine möglich werdende römisch-katholische Vormacht gerichtet waren, verloren hat.

Ernst Frick versuchte so schnell wie möglich von seinem ungeliebten Beruf als Gießer wegzukommen und sich seinen Liebhabereien hinzuwenden.
Er kam nach Deutschland, wo er all das nachholen wollte, was ihm ein Anliegen war, ganz besonders durch seine Erfahrungen nach seines Vaters frühem Tod geprägt. Er kam in die vielfältigen Umwälzungen nach dem verlorenen Krieg (Erster Weltkrieg, 1914–1918), fühlte sich aber von Anfang an zur Malerei hingezogen, die er in der Kunstakademie in München erlernen konnte. In seinen Bildern vermochte er dem damaligen Kapitalismus den Liberalismus entgegenzustellen.
So konnte es nicht ausbleiben, dass er auch aus zwei unterschiedlichen Gründen (Malerei und Revolution) Ascona entdeckte und dort bald mit zu den maßgeblichen Weltverbessererkreisen gehörte, politisch folglich links stand, ohne sich aber zu den Kommunisten zu zählen.
Damals traf sich je länger, je mehr die aufstrebende aufmüpfige Elite aus aller Welt in diesem idyllischen Ort am Langensee (Lago Maggiore), wo sie sich nach und nach auf der Collina, dem dann später genannten Monte Verità, dem Wahrheitsberg, ansiedelte.
Namen wie Bakunin, Bebel, Bulganin, Frick, Friedeberg, Goesch, Gräser, Groß, Hesse, von der Heydt, Hofmann, von Kupffer, Mühsam, Nettlau, Oedenhoven, Stalin, Trotzky, Vester, von Werefkin u.v.a.m. schmiedeten dort ihre Pläne, wie sie in der Welt, vorerst in Europa, die maßgeblichen kapitalistischen Führungsschichten ablösen könnten.
Aber es war nicht nur die große Politik, die ihn gefangen nahm, sondern es waren auch die Sprachwissenschaft, die Altertumskunde, die Vorgeschichte, die ihn umtrieben. Er lernte Gälisch und Walisisch und versuchte, über sie zur Ursprache vorzudringen. Sein Suchen nach den Ursprüngen ließ ihn auch eine bisher unbekannte großräumige keltische Verteidigungsanlage entdecken. Es zog ihn hin zum einfachen, nicht in starre Formen eingeengten Leben.
So war für ihn auch die feste Bindung von Partnern eine kapitalistische Einrichtung. Eine Partnerschaft sollte einzig auf freiwilliger Grundlage zustande kommen und im gegenseitigen Einverständnis wieder gelöst werden können. Er versuchte es vorzumachen, tat sich mit der Frau eines seiner Gesprächskollegen, dem Arzt, Psychiater, Psychoanalytiker und Anarchisten
Otto Groß (1877–1920), zusammen: Frieda Groß geb. Schloffer (12.05.1876 – 12.12.50) aus Graz. Er hatte mit ihr drei Töchter: Eva Verena Schloffer (09.09.1910 – 05.02.2005), Cornelia Groß (16.02.1918 – 09.09.1995) und Ruth Elisabeth Groß (Rufname: Bülo) Groß (11.07.1920 – 24.10.1963). Frieda Groß hatte aus ihrer Ehe mit Otto Groß noch einen Sohn: Wolff (Wolfgang) Peter.
Ernst fing an, sich in der warmen Jahrszeit nach
Bosco/Gurin (1506 m) zu verändern (damals gab’s noch keine Fahrstraße; Verkehrsmittel war der Esel!) und nur den Winter über in Ascona (210 m) zu bleiben. Sie konnten sich dort in ein Chalet einmieten, wogegen sie in Ascona in einem Künstlerhaus wohnten. Nach Jahren trennten sie sich in gegenseitiger Achtung; Mutter und Kinder bezogen eine eigene Wohnung. Die Verbindung zueinander war aber nicht abgerissen, und sie besuchten sich immer wieder. Vor allem die Kinder, die ja langsam heranwuchsen, waren oft bei ihrem Vater, als er sich nach einigen Jahren mit der Anthroposophin Margareta Fellerer (06.01.1885 – 02.04.1961), die auch aus Österreich (Linz) war, verband und sie sich gemeinsam ein eigenes Haus, einen "Adlerhorst" (Cà del Sass = Casa del Sasso), auf halber Höhe der Collina (später Monte Verità genannt), bauen konnten.
Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, hat er Margareta am 14.10.1941 in Ascona legal geheiratet, um ihr die Ausweisung zu ersparen - denn Österreich war mittlerweile Teil des Deutschen Reiches geworden und hatte den Namen Ostmark erhalten.
Die Folgen der freien Partnerschaft waren für die Kinder schmerzlich: In allen ihren Unternehmungen fehlten ihnen die standesamtlichen Frick-Papiere. Ihre Papiere waren bloß Ersatzpapiere, die ihnen die Gemeinde Ascona entgegenkommenderweise ausgestellt hatte.
 
In der Casa Anatta auf dem
Monte Verità ist seinem Schaffen ein Raum gewidmet. Ein Besuch lohnt sich
.

 

letzte Aktualisierung: 20.08.2009