Ernst Frick
1881 – 1956

 

 
Der Große Bär
 

 

Was steckt hinter "Dem Großen Bären"?
 

Die Künstlergruppe Der Große Bär konstituierte sich im Jahr 1924 in Ascona.
Der Name bezieht sich – entsprechend der Siebenzahl der Mitglieder – auf das nach den sieben Hauptsternen benannte Gestirn Ursa Major.

Bemerkenswert erscheinen die breite Generationenstreuung und die internationale Zusammensetzung:

Ascona entwickelte sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts zur Drehscheibe für verschiedene geistige Strömungen (u. a. Monte Verità) und insbesondere zu einem Künstlerdorf, das ab 1914 viele Emigranten anzog. Es bot ein anregendes Klima in einer reizenden landschaftlichen Umgebung.

Die Vereinigung verfocht kein festumrissenes Programm; den Anlass zum Zusammenschluss gab primär der Mangel an geeigneten Ausstellungsmöglichkeiten am Ort. Ihre Aktivität konzentrierte sich auf diesen Bereich: 1924 – 1941 fanden jährliche Gruppenausstellungen im Museo Comunale von Ascona statt, ebenso auswärtige: Bern 1925 und 1942, Zürich 1926, Luzern/St.Gallen 1938, Berlin 1928. Die Formation lockerte sich im Lauf ihres Bestehens, da mehrere Mitglieder nur sporadisch in Ascona weilten bzw. sich den Kunstzentren Paris und Berlin zuwandten. 1941 erfolgte die Auflösung (z. T. Anschluss an den neu gegründeten Gruppo Artisti Asconesi).

Der gemeinsame Nenner der heterogenen Gruppe ohne innovatorischen Anspruch liegt im Realismus. Der intensive Kontakt zur umgebenden Landschaft, dem Dorf und seinen Menschen spiegelt sich – individuell geprägt – im Werk aller sieben Künstler; über das Motivische hinaus existieren Berührungspunkte. Das stilistische Spektrum der Gruppe wird besonders am Anfang und vom Hauptimpuls des Expressionismus dominiert, von früh- und synthetisch-kubistischen Einflüssen begleitet, denen sich um 1930 vorübergehend neue Sachlichkeit und Abstraktion hinzustellen.

Zur Ausstellungsübersicht
 
Diese Abbildung wurde in der Zeitschrift "SIE UND ER", Nr. 32, 1937 veröffentlicht
und im Buch "Monte Verità – Berg der Wahrheit" 1978, wiedergegeben.


Vergrößerung linker Teil / rechter Teil

 
Die beiden damals gezeigten Abbildungen:
 


© Copyright by Wolfgang Frick

Zu Ernst Frick steht geschrieben:
Hoch oben, auf der Collina (später Monte Verità genannt), ein wenig versteckt, liegt das Häuschen, in dem Ernst Frick wohnt. In Knonau bei Zürich 1881 geboren, ist seine Arbeit Kampf, angespanntes Ringen, um der eigenen strengen, unerbittlichen Kritik zu genügen.
"Meine Erfolge in der Öffentlichkeit sind bescheiden. Hin und wieder lese ich meinen Namen in fremden oder hiesigen Kunstzeitschriften. An Ausstellungen beteilige ich mich selten und - meines Wissens besitzt keine Galerie ein Bild von mir. Nur das ist mein Rekord!"
Fricks Landschaften sind einsam, das mystische Blau – Lila – das er in Beziehung bringt zum Braun der Holzstämme, ist naturnahe. Man fühlt Trost, der wie aus einer großen Stille kommt. Ich sehe das Bergdorf im Tessin - gleichsam ein letztes Haus am Ende aller Dinge, letzte Zuflucht. Natur als Heimat der Heimatlosen.

 

© Copyright by Wolfgang Frick
 
Ernst Frick mit Marianne von Werefkin (Der Große Bär), 1936
mit freundlicher Genehmigung von Ingeborg Lüscher (Harald Szeemann-Archiv)
 

letzte Aktualisierung: 20.08.2009